Bericht der Initiative Görtschitztal vom 18.6.2026

Sehr geehrte IZG-Mitglieder und interessierte Görtschitztaler!

Das Görtschitztal trägt seit Jahren eine schwere Last. Während anderswo über Lebensqualität, Gesundheit und saubere Umwelt gesprochen wird, leben die Menschen hier im Tal Tag für Tag mit Staub, Emissionen und wachsender Sorge um ihre Zukunft.

Im Zementwerk Alpacem in Wietersdorf werden bereits heute rund 160.000 Tonnen pro Jahr Abfälle in Form von Ersatzbrenn- und Ersatzrohstoffen verarbeitet. Dabei entstehen laut Betreiberangaben erhebliche Mengen an Luftschadstoffen. Nun sollen zusätzlich weitere 45.000 Tonnen nicht gefährlicher Abfälle pro Jahr hinzukommen. Viele Familien fragen sich längst: Wie viel kann ein Tal noch ertragen? Und trotzdem soll nun weiter ausgebaut werden – auch unter dem neuen Landeshauptmann Ing. Daniel Fellner! Kärntens Behörden-Verfahren werden einfach nicht besser!

Mit Bescheid der Kärntner Landesregierung vom 19. Mai 2026 wurde festgestellt, dass für die geplante Anlage zur Lagerung und Aufbereitung von Ersatzrohstoffen keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei. Gleichzeitig ist darin von Lagerkapazitäten von bis zu 45.000 Tonnen nicht gefährlicher Abfälle die Rede. Die Bürgerinitiative Zukunft Görtschitztal bemängelt dazu, dass es keine konkreten Prüfungen in folgenden Schutzgütern gibt:

Staub: Feinstaub, PM10/PM2,5, diffuse Emissionen, Brecher Staub, Lagerstaub, Verkehrsstaub.
Lärm: Schallprognose, Nachtwerte, Spitzenpegel, Brecher-Lärm, LKW-Verkehrsprognose.
Verkehr: Keine Analyse über die zusätzlichen LKW-Fahrten, Verkehrssteigerung, Straßenbelastung, Anrainerbelastung, Gefahrenstellenanalysen ZB: im Ort Eberstein (ADEG).
Wasserrecht: Obwohl im Gutachten Kategorie-C-Schutzgebiete erwähnt werden, fehlt: Sickerwasserbewertung, Oberflächenwasserbewertung, Löschwasserkonzept, Bodenversiegelung, Grundwasserschutzkonzept.
Brandschutz: fehlt
Abfallqualität: fehlen Grenzwerte, Schadstoffparameter, Fremdstofflimits, Sanktionen, etc.

Besonders auffällige Formulierungen im Bescheid: Schwellenwerte werden auffällig knapp eingehalten, bei Alpacem (vormals w&p) war das immer schon so, da nach ein paar Jahren die Kapazitäten unauffällig erhöht werden konnten.

UVP-2000 pflichtig: Projekt Alpacem:
Lagerung 200 000 Tonnen/Jahr 25% UVP > 50 000 Tonnen/Jahr Antrag 45 000 Tonnen/Jahr

Zerkleinerung 35 000 Tonnen/Jahr 25% UVP > 8 750 Tonnen/Jahr Antrag 8 400 Tonnen/Jahr oder 100 Tonnen/Tag 25% UVP > 25 Tonnen/Tag Antrag 24 Tonnen/Tag

Baurestmassen 200 000 Tonnen/Tag 25% UVP > 50 000 Tonnen/Jahr Antrag 40 000 Tonnen/Jahr

Alle UVP-Grenzwerte knapp lt. Antrag unter der UVP-Schwelle. 1 Jahr später können die Grenzwerte ohne Verfahren erhöht werden. So werden in Kärnten von der Politik und den Behörden die UVP-Verfahren umgangen. Obwohl schon heute ca. 70 000 Tonnen/Jahr Ersatzrohstoffe mit denselben Schlüsselnummer entsorgt werden!!! (Keine Akkumulierung der Abfallmengen)

Mehrfach steht in Bescheid sinngemäß:
…. konkrete Ausgestaltung wird im späteren Genehmigungsverfahren festgelegt.

Das ist für die Bürgerinitiative IZG nicht akzeptabel Der Bescheid stützt sich praktisch ausschließlich auf einen nichtamtlichen abfallwirtschaftlichen Sachverständigen.
Bewusst nicht beigezogen wurden Gutachter für die Schutzgüter: Luftreinhaltung, Lärmtechnik, Verkehr, Hydrogeologie, Chemie, Brandschutz, Humanmedizin, Naturschutz.

Das Görtschitztal ist massiv vorbelastet und ist der Landesregierung und den Behörden bekannt wie:
Asbestbelastungen, HCB-Skandal und deren Folgen, Hohe Krebs- und Sterberaten vergleichbar zu anderen Regionen.

Für ein so großes Ersatzrohstoffprojekt bei einem Zementwerk ist das nicht akzeptabel.

Gutachter: Die Einstufung der Zerkleinerung als „sonstige Behandlung“ sei technisch fragwürdig, werde aber rechtlich akzeptiert.

Das zeigt:

  • sogar der eigene Sachverständige sieht Unklarheiten,

Und die Politik lässt alles durchgehen! Das ist so nicht in Ordnung.
Bei einem Projekt dieser Größenordnung wird ein externer Fachgutachter beigezogen und wahrscheinlich sogar von Alpacem bezahlt? Das ist grundsätzlich zulässig, wenn bei der Behörde:

  • kein eigener Amtssachverständiger vorhanden ist,
  • besondere Fachkenntnisse nötig sind, die in der Behörde nicht vorhanden sind,
  • oder Kapazitätsgründe vorliegen.

Es kann nicht sein, dass Antragsteller sich die Amtssachverständigen aussuchen können (vielleicht ist das in Kärnten „einvernehmlich“ so geregelt)!

Die Menschen im Görtschitztal haben jedoch ein Recht auf Antworten:

  • Warum gibt es bis heute keine vollständige und transparente Offenlegung der tatsächlichen Gesundheitsdaten für das Görtschitztal?
  • Warum erfahren die Bürgerinnen und Bürger nicht offen, wie hoch Krebsneuerkrankungen und Sterberaten im Vergleich zum österreichischen Durchschnitt wirklich sind?

Wer hier lebt, braucht keine beschönigenden Formulierungen mehr.
Die Menschen sehen selbst, was passiert. Sie atmen die Luft täglich ein. Sie erleben die Sorgen in ihren Familien und sie fühlen sich von Politik und Behörden immer öfter alleine gelassen.

Es geht nicht um Ideologie.
Es geht um Gesundheit.
Es geht um unsere Kinder.
Und es geht um die Frage, wie viel Belastung einer ganzen Region noch zugemutet werden darf?

Das Görtschitztal darf nicht länger zur Müll- und Schadstoffdrehscheibe Mitteleuropas werden.

Wir fordern: vollständige Transparenz über Gesundheitsdaten und Emissionen, unabhängige medizinische und umwelttechnische Untersuchungen, echte Mitsprache der Bevölkerung, und eine Politik, die endlich die Menschen schützt — nicht nur wirtschaftliche Interessen.

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